Insel-Leben als digitale Nomaden

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Während keine 20 cm von meinem Gesicht entfernt ein Schwarm großer bunter Fische über das Korallenriff im klaren Wasser schwebt, ich Giulios Hand auf meiner Schulter fühle und ihn aus dem Augenwinkel erneut untertauchen sehe und unser Baby wie gewohnt in meinem Bauch strampelt, realisiere ich tief im Innern, dass dies einer der Momente im Leben ist, die ich niemals vergessen werde.

Tauchen war seit der Grundschule, in der ich durch einen Ring auf dem Grund des tiefen Beckens schwimmen musste, nie meine Stärke. Im Gegenteil, Schwimmunterricht war bis zum Abitur eine Qual und danach hatte ich keine Veranlassung mehr gesehen, mich mit dem Kopf unter Wasser zu begeben.

Bis unser fünfjähriger Sohn Giulio das Schwimmen für sich entdeckte und mit großer Leidenschaft mit Oli hier auf Koh Phangan schnorcheln ging. Die vielen begeisterten Erzählungen der traumhaften Unterwasserwelt lösten einen bisher unbekannten Wunsch in mir aus, meine Angst zu überwinden.

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Und so schwimme ich nun an einem steil abfallenden Riff neben meinem Sohn im Wasser und schaffe es immer wieder für wenige Sekunden unterzutauchen und das fantastische Bild in mich einzusaugen. Neben uns strampelt und platscht es unaufhörlich, da wir nicht die Einzigen sind, die die Abkühlung am heutigen Tag im kühlen Meer inmitten der Fische genießen.

Als es Giulio zu kalt wird, steigen wir die steile Steintreppe im Fels wieder hinauf zum Restaurant, um einen frischen Obst-Shake mit Oli und Susanna zu trinken, die hoch über uns auf uns gewartet haben.

Zusammen mit drei Familien sind wir heute unterwegs, drei der aktuell 9 Familien mit insgesamt 18 Kindern, wir eingeschlossen, die alle im selben Resort auf Koh Phangan leben.

Wir profitieren von sämtlichen Vorzügen der früher so selbstverständlichen Dorfgemeinschaft. Es sind immer Kinder unterschiedlichen Alters da, Spielen ist von morgens bis abends jederzeit möglich, wir Eltern können uns austauschen wenn uns danach ist, Rat suchen, wachsen, weitergeben oder einfach gemeinsam Zeit verbringen.

Nahezu der komplette Alltag spielt sich im Freien ab. Die großzügige Anlage ist ein riesiger Garten mit jeder Menge Phantasie-Potential in Form von Kokosnüssen, Steinen, Felsen, Kletterbäumen, Springbrunnen, Pool, interessanten Fundstücken, usw.

Giulios fünften Geburtstag vor zwei Wochen inklusive Melonen-Hai-Kuchen konnten wir mit vielen Kindern angemessen feiern… :)

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Seit einigen Tagen ist nun der große Baum am Strand mit den langen Wurzeln und der typischen Strand-Schaukel zum Piratenschiff umfunktioniert. Mit Flaggen aus den leider überall herumliegenden Plastiksäcken und zusätzlich einer Menge angeschwemmter Seile dekoriert, die mit einem Stein beschwert die Anker darstellen.

Gemeinsam zu reisen, bzw. mit Gleichgesinnten gemeinsam an einem Ort leben, an dem man sich auch aus dem Weg gehen kann, ist eine erfüllende Erfahrung für uns. Eigentlich viel leichter als alleine, denn die Kinder sind zufriedener und wenn einer von uns Eltern die tägliche Arbeitszeit hat, findet der Andere immer Anschluss und Gesprächsstoff.

Von inneren und äußeren Konflikten sind wir hier natürlich auch nicht verschont. Bei so vielen Kindern in einer Runde gibt es ständig Unstimmigkeiten und Reibereien.  Wenn eine Familie dazukommt verschiebt sich automatisch die bisherige Freundschafts-Konstellation und es dauert ein paar Tage, bis sich die Kinder aufeinander eingestimmt haben.

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Ebenso machen uns die diversen Keime zu schaffen die aus Europa mitgebracht werden und hier zu reihenweise Schnupfnasen, Husten und Fieber führen.

Nichtsdestotrotz lernen wir so auch, uns auf unvorhergesehene Gesundheitsprobleme einzustellen und unsere Kinder eignen sich unweigerlich eine Menge Sozialkompetenzen im Umgang mit den vielen Kindern im Alter zwischen 8 Monaten und 11 Jahren an.

Für Susanna und mich ist es ein Glücksfall, dass es gleich zwei Babys in der Gruppe gibt. So konnte sie die ganzen letzten Wochen beobachten wie das Leben mit einem kleinen, neuen Familienmitglied aussieht. Seither legt sie ihre Puppe kaum noch ab, trägt sie voller Überzeugung in der Trage und sagt mir immer Bescheid, wenn sie beim Roller fahren eingeschlafen ist… Unser Baby, das in etwa vier Wochen auf die Welt kommen wird, ist auf diese Weise ganz neu präsent und deutlich greifbarer in Susannas Leben geworden.

Für mich ist die Schwangerschaft hier sehr entspannt und kaum vergleichbar mit den ersten beiden. Ich genieße es uneingeschränkt, Oli dieses Mal voll und ganz an meiner Seite zu haben, statt ihn nur abends oder sonntags zu sehen. Wir werden gemeinsam Eltern unseres dritten Kindes und erleben sehr bewusst, wie unser Kind wächst. Wenn ich müde bin, was in den letzten Wochen eigentlich dauernd der Fall war, kann ich mich ausruhen und dabei sicher sein, dass Oli und die Kinder eine schöne Zeit haben. Diesen Luxus hatte ich in der zweiten Schwangerschaft mit Susanna nicht.

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Dabei fällt mir auch immer wieder auf, wie unkompliziert und leicht ich durch die Schwangerschaftsmonate gehe. Habe ich mich bei den ersten beiden Geburten von einer Arzt- bzw. Hebammenuntersuchung zur nächsten gehangelt, gehe ich hier ganz einfach meinen Alltagsbeschäftigungen nach, ohne die Schwangerschaft an bestimmten Terminen aufzuhängen. Die Zeit verstreicht und der größer werdende Bauch gehört einfach dazu. Meine Selbstwahrnehmung steigt und ich kann mich aktiver auf meinen Körper und mein Kind einlassen um zu spüren, ob alles in Ordnung ist.

Für den Fall, dass nun im Endspurt etwas doch nicht in Ordnung sein sollte, haben wir vor ein paar Tagen eines der drei Krankenhäuser auf Koh Phangan besucht. Eine überschaubare Klinik im Dschungel, die hauptsächlich aus der Schwangerschafts- und Geburtshilfe und der Notfallambulanz zu bestehen scheint. Ich war sehr positiv von der schönen Atmosphäre, dem gut ausgestatteten Equipment und der freundlichen Zurückhaltung des Personals überrascht. Untersuchungen werden nur bei tatsächlicher Notwendigkeit durchgeführt und ich wurde zu keinem Ultraschall gedrängt, der in vielen anderen Kliniken in Thailand Pflicht ist.

Also trage ich unser kleines Baby weiter über die Insel, unternehme Roller-Ausflüge mit meiner Familie, schwimme im Meer und im Pool, massiere den Bauch und stimme mich mit wunderbaren Büchern auf die Geburt ein.

Währenddessen übernimmt Oli den Großteil der Arbeit, bildet sich ständig fort in seiner Leidenschaft “gesundes Wasser”, coacht zum Thema Mindset, Online-Business und -Kongresse, gibt Interviews und informiert sich über Werbeplattformen für ein passives Einkommen. Nebenher konnte er mit einem Kite-Kurs einen weiteren Lebenstraum verwirklichen und ist nun ständig auf der Suche nach den besten Windverhältnissen um weiter zu üben. Giulio saugt dabei jede seiner Bewegungen in sich auf und hütet die kürzlich erworbene, gebrauchte Ausrüstung wie ein Drache seinen Schatz.

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Unser Alltag strukturiert sich mittlerweile recht variabel, je nach Olis Terminen. Wir wechseln uns in den Arbeitszeiten ab, was je nach Stimmung der Kinder mal besser, mal schlechter klappt.

In zwei Wochen machen wir einen Tagesausflug nach Koh Samui, um unser Visum für nicht ganz billige 50€ pro Person um weitere 30 Tage zu verlängern. Mal sehen, ob uns dabei unser Baby dazwischen kommt oder ob es etwas später wie die beiden anderen Kinder in der 40. Woche geboren wird.

Da wir einen Reisepass beantragen müssen und das nur in der deutschen Botschaft in Bangkok möglich ist, werden wir eine Woche vor unserem Rückflug dorthin aufbrechen. Das heißt, unsere Tage auf der wunderschönen Insel Koh Phangan in Thailand sind gezählt und nach knapp fünf Monaten hier in den Tropen fliegen wir zurück nach Deutschland. Dort wartet unser Wohnmobil Jupiter auf uns, das in der Nähe von Frankfurt auf einem abgesperrten Gelände (für 30 € im Monat) auf uns wartet. Dass die Rücknahme kurz vor unserem Abflug nicht geklappt hat, empfinden wir jetzt als großes Glück. Die Kinder freuen sich unbändig auf ihre gemütlichen Schlafkojen, die Abenteuer-Spiel-Garage mit dem Fahrrad und dem Laufrad, allen Spielsachen und überhaupt darauf, wieder mit unserem “Schiff” über die Straßen zu fahren.

Oli und mir geht es genauso. Jupiter ist definitiv ein Stück wandelnde Heimat und wir müssen keine Unterkunft mieten, sondern können einfach einsteigen und weiterreisen.

Da wir mit allzu genauen Planungen eher vorsichtig geworden sind, beschränken sich die Reise-Vorbereitungen momentan auf den Rückflug, die letzten Reparaturen des Wohnmobils und der Idee, von Deutschland zügig weiter Richtung Italien zu fahren.

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Jetzt freuen wir uns erst mal über die letzten Baby-Bauch-Wochen, die verbleibende “Big-Family-Zeit” mit den vielen Familien hier und den Thai-Sommer, der hoffentlich die letzten Krankheitsausläufer endgültig wegwischt…

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11 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Schön, dass es euch so gut geht und auch zu hören, dass koh Pangnan ein vertrauenserweckendes Krankenhaus hat. Ich bin mir nicht sicher ob ihr es wisst, aber als Tipp. Ihr könnt das Visum jederzeit verlängern und müsst nicht warten bis ihr am Ende der Visumszeit seid.

    • Lara

      Liebe Victoria, Danke für Deine Nachricht! Das wissen wir aber wir können leider nur 30 Tage verlängern und brauchen möglichst viel Zeit für die Geburt, eine entspannte Wochenbettzeit, die Anmeldung unseres Kindes und die Erstellung des Reisepasses… :) Deswegen machen wir den VisaRun recht spät aber trotzdem Danke für die Info, die vielleicht auch noch Anderen weiterhilft! Alles Liebe, Lara

  2. mich würde interessieren wie eure Unterkunft auf Koh Phanghan heisst, da ich auch beabsichtige dorthin zu fliegen. Ich war vor vielen Jahren schon mal dort alllerdings mit einer Freundin und jetzt soll es als Familie nach Thailand gehen

    • Lara

      Liebe Lisa, wir sind im Chaloklum Bay Resort. Noch mehr würde ich aber das Buritara Resort empfehlen, wo ich gerade den Beginn meines Wochenbetts verbringen darf… LG, Lara

  3. Liebe Lara,

    ich habe dich auf dem Video beim Bildungskongress “sehen” und hören können und ich freue mich sehr, dich auf diese Weise kennen zu lernen. Toll! Danke für deine Offenheit und deine Sensibilität. Wunderschön siehst du aus, so kann fast “nur” eine glücklich Schwangere strahlen :-)..
    Wir haben ebenso 3 Kinder (Baby Phili/17 Monate, Lia Rose 3 Jahre alt, Timos bald 6 Jahre alt) und leben derzeit in Berlin, … aber ich erlebe ganz ähnliches wie du erlebt hast, obwohl Berlin bereits eine sehr offene Stadt ist, ist sie nicht gerade kinderfreundlich, und ausserdem gehören wir sogar hier zu den “Seltenheiten”: …ich habe alle meine Kinder im Wasser (zuhause) geboren, sie waren von Anfang an windelfrei, unsere Kinder besuchen keinen Kindergarten, wir gehen auf ihre Wünsche und ihre Bedürfnisse ein etc.
    Wir denken auch darüber nach, bald (längerfristig) zu verreisen. Kreta wird es sicher im Frühling werden, eine unglaubliche Insel, mit so viel wunderbarer Natur und gleichzeitig so reicher Kultur.
    Ich werde mich sehr freuen, wenn wir per email in Kontakt treten und ich dir mehr erzählen darf und du mir?! … Ganz herzliche Grüsse, D.

    • Lara

      Liebe Dora, ich freue mich auf Austausch mit Dir! Schick mir doch einfach über unser Kontaktformular eine Mail, dann melde ich mich zurück. Herzliche Grüße, Lara

      • Hallo, liebe Lara,
        ich habe deine Antwort erst jetzt bei dir in der homepage gelesen, …

        und freue mich hier, dir und eurem “neuen” Baby auf die Welt willkommen heissen zu dürfen! …

        Wie war eure Geburt? …
        Wie geht es euch? Wo seid ihr gerade?
        Ich freue mich auch sehr über einen Austausch, aber ich verstehe nicht, wie du das mit dem Kontaktformular vorschlägst?
        Ist das nicht hier ? Kannst du meine email nicht ersehen?
        Ganz liebe sommerliche Grüsse aus Berlin,
        Dora :-)

  4. Hallo Lara und Oli,
    erstmal herzliche Glückwunsch zum inzwischen geborenen Baby! :-)
    Danke für den Bericht von der Insel. Wir sind eine vierköpfige momentan noch Berliner Familie, die ab Anfang 2017 (zunächst mal) 6 bis 8 Monate in Thailand und drumrum verbringen will… Reisen, leben und auch von dort aus arbeiten. Daher interessiert mich, wie das dort mit dem Internet geklappt hat. Gibt es im allgemeinen WLAN direkt in den Ressorts? Und ist das stabil und zuverlässig, so dass zB auch Skype-Calls gut funktionieren? Euer Ressort mit den vielen Familien klingt toll für die Kids – hattet Ihr Euch “verabredet” oder hat sich das zufällig ergeben? Und trifft man auch regelmäßig andere Familien mit Kids im “Schulalter” (unser Großer ist 9…) oder ist das eher die Ausnahme? Auf jeden Fall alles Gute für Euch weiterhin!

    • Lara

      Liebe Jula,

      die WLAN-Qualität ist sehr unterschiedlich. Geeignete Plätze findet man aber immer. Wir sind zum skypen z.B. manchmal in Restaurants mit ruhigen Tischen gefahren. Verabredet hatten wir uns nicht. Es war eher so, dass sich einfach Familien angeschlossen haben, die von uns allen gehört hatten. Da ist der Online-Blog natürlich hilfreich :)
      Große Schulkinder sind schon eher die Ausnahme, denke ich. Aber ich kann natürlich nur von unserer jetzigen Erfahrung sprechen. Es gab drei Jungs im Alter von 6, 9 und 11…
      Liebe Grüße und alles Gute für Euch!

  5. Mit Begeisterung lese ich seit einigen Wochen eure Artikel und schaue eure Videos bei YouTube – natürlich schon abonniert!
    Auch im Vergleich zu anderen Familien, die alles verändert haben und sich für die Freiheit entschieden haben, habt ihr einen besonders harmonischen Stil, zu erzählen und zu berichten. Auf den Punkt, kein zu langes Gerede drumherum und dennoch sympathisch und liebevoll. Danke!

    Auch wir beschäftigen uns schon lange mit dem Gedanken, aus allem auszubrechen, und haben das schon begonnen, indem wir nur noch mit unserem Wohnmobil unterwegs sind, aber dennoch in einer festen Wohnung unser zu Hause haben.

    Eine Frage, die vielleicht auch schon oft gestellt wurde:
    Welche Foren, Blogs und Communities könnt ihr empfehlen, um sich seriös auszutauschen?
    Wo findet ihr Antwort auf eure Fragen, die nur Nomaden beantworten können?

    Vielen Dank und euch eine wundervolle Zeit und viele weitere sinnerfüllte Abenteuer
    Alexander

    • Lara

      Lieber Alexander, vielen Dank für Deine liebe Nachricht! Wir tauschen uns sehr gerne über Facebook aus. Mittlerweile kann man sich dort richtig gut vernetzen und es gibt inspirierende Gruppen. Antworten auf unsere Fragen finden wir dort ebenfalls und auch auf diversen YouTube-Kanälen. Dadurch sind bei uns schon tolle Kontakte entstanden. Einfach Dein Thema in die Suchleiste eingeben (sowohl Facebook als auch YouTube) und lösstöbern…
      Alles Gute Euch und herzliche Grüße,
      Lara & Oli

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