Offener Brief an meinen Mann

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Mein lieber Oli,

ich sitze in unserem Wohnmobil, das uns durch die turbulenten ersten Monate unserer Weltreise mit Tropen-Unterbrechung bis hierhin zuverlässig begleitet hat. Es ist Mittag, Du bist mit den Kindern im Garten unserer Freunde. Weil Du den Tag mit uns verbringen möchtest, legst Du alle Geschäftstermine entweder auf den frühen Vormittag oder späten Abend. Wie Du das schaffst, ist mir ein Rätsel, denn ich brauche immer noch – genau wie in unserem allerersten Urlaub zu zweit – sehr viel Schlaf.

Die Zeiten, in denen ich von abends neun bis morgens sechs durchgeschlafen habe, sind lange vorbei. Denn gerade jetzt sehe ich unsere beiden großen Blondschöpfe, die schon unglaubliche fünf und drei Jahre alt sind, mit ihren Spielgefährten über den Rasen springen. Du stehst etwas abseits und hältst unsere kleinste Tochter auf Deinem Arm, die mit ihren vier Monaten immer alles genau im Blick haben will. Der Wind rauscht in den großen Bäumen, der Himmel ist wolkenlos, die Stimmung ist entspannt und es fühlt sich ein bisschen an wie Bullerbü.

Fast zehn Jahre sind vergangen, seit Du mit Deinem schwarzen Motorrad an unserer späteren Lieblingswiese hinter der Bergkuppe aufgetaucht und direkt in mein Herz gefahren bist!
Nie werde ich auch den wunderschönen Moment einer unserer ersten Bergwanderungen am Gipfel der Kampenwand vergessen. Was für eine Aufregung, Freude, Unsicherheit und große Achterbahn der Gefühle – wie anders wir damals noch waren!

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Wir hinterfragten einiges aber nie die Gegebenheiten, die unseren Alltag strukturierten. Wir planten kurze Urlaube an den Chiemsee und nach Sardinien, denn diese Orte waren uns vertraut und dort fühlten wir uns wohl. Wir schmiedeten Pläne, träumten von großen Reisen, beruflichen Veränderungen und anderen Jobs – und beließen es dabei.

Ich lernte Dich als großartigen Partner kennen, als mir oft unbegreiflich geduldigen Menschen, der all meine Allüren gelassen hinnahm. Streit hatten wir nur selten und nie rüttelte einer von uns an unseren Grundfesten – mit Dir zu leben war wunderschön.

Und dann kam der Tag, der noch so viel ins Rollen bringen sollte. Wir entschieden uns für ein Kind.

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Drei Jahre waren wir bereits zusammen, lebten in einer geräumigen Wohnung und obwohl ich nach meiner Ausbildung erst ein halbes Jahr in einem Kreißsaal arbeitete, war für uns genau jetzt der richtige Zeitpunkt.

Auf Sardinien machte ich den Schwangerschaftstest. Unser blaues Zelt stand auf einem kleinen Felsvorsprung direkt am Meer und in der beginnenden Morgenröte schlich ich morgens um fünf zu den Toiletten.
Mit hüpfendem Herz und dem italienischen Wort “incinta”, das deutlich sichtbar auf dem Clearblue-Tester erschienen war, kam ich zu Dir zurück, um Dich ein paar Stunden später beim Frühstück zu überraschen.

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Unser kleiner Junge Giulio veränderte alles – und mehr. Er brachte uns bei, wovon wir nicht den Schimmer einer Ahnung gehabt hatten und lenkte uns manchmal unmerklich, manchmal gewaltig, in ein bedürfnisorientiertes Leben als Familie.
Wir entdeckten gemeinsam Windelfrei, Langzeitstillen, Familienbett, Tragen, Bindung durch Nähe und ganz viel Vertrauen.

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Als Susanna zweieinhalb Jahre später geboren wurde, standen wir bereits an einem völlig anderen Punkt in unserem Leben – am Wendepunkt!
Deine zeitintensive berufliche Karriere, unser zeitbedüftiges Traumhaus, die gesellschaftliche Anerkennung, die uns immer so wichtig gewesen war, die Schulden und unsere beiden kleinen Kinder, die ich praktisch alleine großzog – wir waren seelisch und körperlich am Ende.

Die Trennung war für mich greifbar nahe und früher nie denkbare, handfeste Differenzen raubten uns die letzte Kraft.
Und als gerade alles zu zerspringen drohte, passierten mehrere Dinge gleichzeitig. Wir wurden Veganer, ließen dadurch innere und äußere Altlasten los und “Ka Sundance” trat durch ein YouTube-Video sprichwörtlich aus dem Laptop in unser Leben und berührte den wunden Punkt. Wir stellten uns zum ersten Mal die Frage, wofür und für wen wir eigentlich unser Leben lebten.

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Zurückgeworfen auf die Essenz unserer Beziehung, nämlich die Theorie unseres persönlichen Glücks als Paar und Familie, unabhängig von seelischen Abhängigkeiten, erlebten wir eine fantastische, schrecklich schmerzhafte und rundum augenöffnende Wiedergeburt.

Wir erkannten, dass wir loslassen mussten, um uns zu finden.
Und so trennten wir uns von allem, was unser Leben bisher bestimmt hatte: dem Haus, den Autos, dem Job, dem sozialen Status, von gesellschaftlich anerkannten Strukturen und vor allem von jeglichen Erwartungen, die in uns gesetzt und von allen Ängsten, die auf uns projeziert wurden.

Wie haltlos und allein ich mich in dieser Zeit gefühlt habe! Wir wussten nicht, ob wir nicht gerade den größten Fehler unseres Lebens begehen und am Ende mit noch mehr Schulden und vielleicht ohne Rückhalt von Familien und Freunden dastehen würden. Dass Du so ein Vertrauen in uns und unsere Fähigkeit zur Transformation hattest, bewundere ich noch heute!

Durch einen Zufall wurden wir auf eben das Wohnmobil aufmerksam, in dem ich nun sitze und kauften es in einer spontanen Blitzaktion. Und ob es nun darum geht, dieses Riesengeschoss mit achteinhalb Metern in die kleinste Parklücke zu manövrieren, sämtliche Wartungsarbeiten inklusive der leidigen Toiletten-Leerung zu erledigen und immer nachts zu fahren, damit es für die Kinder angenehm ist zu reisen – Du machst alles, ohne Dich auch nur einmal zu beschweren und hast dabei noch gute Laune.

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Ich danke Dir dafür, dass ich mich immer sicher fühlen darf, wenn wir unterwegs sind, dass Du alles im Griff hast und ich Dich immer nachts wecken darf, wenn ich wieder einmal vergessen habe, ein Töpfchen für die Mädels bereit zu stellen…

Eineinhalb Jahre sind vergangen, seit Du Deinen früheren Beruf an den Nagel gehängt hast. Seither haben wir Unglaubliches erlebt und sind mit unserem Online-Kongress und dem Start in ein ortsunabhängiges Nomaden-Leben durch wahre Gebirgsketten an Höhen und Tiefen gegangen.

Du hast gelernt wie es ist, Papa zu sein. Nicht nur abends für zwei Stunden und am Wochenende für einen Tag, sondern rund um die Uhr 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche. Wenn Du heute mit den Kindern losgehst, muss ich mir keine Sorgen mehr machen, dass Du nicht an die Wechselkleider, etwas zum Trinken und Essen, die Tragehilfe und ein Lieblingsbuch für heikle Situationen gedacht hast.

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Wir waren zusammen in Thailand und haben dort mit der Geburt unserer kleinen Katharina den tiefsten, innigsten und weitreichendsten Moment unserer Existenz erlebt. Es ist schwer in Worte zu fassen, wie sehr ich Dich dafür liebe, dass es Dir seit der ersten Geburt unseres Sohnes ein Anliegen war, den Start unserer Babys ins Leben zu verbessern, dass Du zusammen mit Giulio Katharinas allerersten Blick in die Welt geteilt hast, dass Du immer an mich und meine Kräfte als Mutter geglaubt und nie an unseren Entscheidungen gezweifelt hast.

Wenn ich Dich anschaue, sehe ich einen äußerlich deutlich veränderten, gesund verjüngten Körper, in dem Du Dich offensichtlich wohlfühlst.
Deine Seele hat sich nicht verändert. Du bist immer noch der sanftmütige, liebevolle und interessante Mann, der Du schon damals warst, als ich das Glück hatte, Dich kennen zu lernen. Aber Du bist auf eine subtile Weise dünnhäutiger geworden, als ob sich neue Sphären in Dein Bewusstsein geschlichen haben, die Du vorher nicht wahrgenommen hast. Wo ich Dich früher in Konflikten mühelos an die Wand reden konnte und Du dann mit Wut, verbaler Keule und schlussendlich Rückzug reagiert hast, bist Du heute so feinfühlig, tiefgründig und reflektiert, dass ich schon in meinem Ausbruch merke, wie mein Frustkonstrukt in sich zusammenfällt.

Wir sind Seelenpartner geworden, wie ich es mir nie hätte erträumen können. Und Du und ich sind die Eltern von drei kleinen Kindern, mit denen wir zusammen leben und die Welt bereisen dürfen.

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Unseren Garten mitsamt Einfamilienhaus haben wir in unzählige “Gärten” an Seen, Flüssen, dem Meer, an Wäldern und Feldern eingetauscht.
Unsere früheren Träume haben wir mitsamt dem Schuldenberg hinter uns gelassen.

Wir leben ein freies “Zigeuner-Leben” mit wenig Besitz aber ohne Altlasten. Und das wichtigste ist: wir haben uns! Mit allen Schwierigkeiten, die das mit sich bringt aber auch mit all dem Potenzial, sich immer wieder neu zu erfinden.

Danke, dass Du bei mir bist Oli, ich liebe Dich!

Aus ganzem Herzen,
Deine Lara

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29 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Liebe Lara,
    wunderschön geschrieben. Danke!
    Es berührt mich sehr wie offen du alle höhen und tiefen beschrieben hast. Licht, Liebe, Schatten und Gewitter, alles war richtig und wichtig, Damit ihr das wurdet was ihr heute seid.

    Alles Liebe euch
    Denise

  2. Mich hast du auch zu Tränen gerührt….. :'(
    Wunderschön geschrieben!

    Mich würde mal interessieren welche Sternzeichen ihr beide habt?

    Lieben Dank und liebe Grüße
    Stefanie

  3. Liebe Lara,
    ein bewegtes Danke!
    Eure Seelenpartnerschaft spüre ich.
    Deine Zeilen lassen mich heute ganz besonders dankbar sein.
    Von Herzen
    Antje
    PS: Liebe Grüße auch von meinem Seelenpartner Ronny ;)

  4. Ein Wahnsinnstext, liebe Lara. Ich danke dir für deine Offenheit. Ihr könnt sehr stolz auf euern Weg sein. Gerade die tiefen Täler sind es, die nach meiner Erfahrung zu ungeahnten Höhen führen können. In diesem Sinne alles Liebe für euch und vor allem eine gute Zeit.

  5. Liebe Lara, so ein toller Liebesbrief von Dir an Oli! Ihr dürft Euch beide wirklich sehr glücklich schätzen! Claudia hat ihn mir gestern in voller Länge vorgelesen, so schön, dass Du das geteilt hast. Alles Liebe Euch beiden und Euren Kindern, Claudia und David

  6. Servus Lara,
    Eine ganz tolle Geschichte mit wunderschönem Text, Worten und Gefühlen erzählt!
    Wir, meine Seelenpartnerin Gerlinde und ich, wurden vor kurzem durch Ollivers Interview in der “Iss dich frei”-Reportage auf euch aufmerksam. Gratuliere von Herzen zu euren bisherigen Entscheidungen und noch recht viel ‘Glück’ und Erfolg weiterhin! Alles Liebe Franz und Gerlinde

  7. Liebe Lara, ich hab Euch und den Bericht über Katharinas Geburt gestern in Stern TV gesehen und war sehr beeindruckt. Ihr seid eine wunderbar harmonische Familie, das strahlt Ihr zumindest authentisch aus. Zu lesen, wie Euer Weg war, dass es auch heftige Zeiten gab und Ihr aus einem komplett anderen Leben ausgestiegen seid, ist interessant und macht neugierig darauf, wie es weitergeht. Ich wünsche euch beiden und euren süßen Kindern alles erdenklich Gute ♡♡♡.
    Liebe Grüße
    Nicole

  8. Mich hast Du auch erwischt. ;-) Habe Tränen in den Augen. Sehr gefühlvoll geschrieben, offen und authentisch. Herzlichen Glückwunsch Euch als Familie, herzlichen Glückwunsch zu dem tollen Mann! Alles Liebe für die Zukunft.

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